MEMI Software-Test

 

Magix Samplitude 6.0

Professionelles Multitrack-Recording / Mastering

 

Hersteller/Vertrieb Art der Software erhältlich für Preis
Magix AG Multitrack-Recording Windows 95/98/NT/2000 siehe Übersichtstabelle
  und Mastering    

 

CoverBei Samplitude handelt es sich um ein Programm der gehobenen bzw. in der getesteten Version producer 2496, High-End-Klasse. Deshalb sind die Erwartungen hoch, und es stellt sich die Frage, ob sich die Investition lohnt. Dies vor allem in Hinsicht darauf, was heute schon von preiswerter Software geboten wird. Da muss dann schon Einiges wie vielfältige und leistungsfähige Bearbeitungsmöglichkeiten, bequeme, logische und sinnvolle Bedienung, Stabilität etc. vorhanden sein. Kann Samplitude diese Anforderungen erfüllen?

Konzept

Samplitude ist ein Audioprogramm ! Dazu steht passend im Handbuch: "...nicht in der Sequenzer Top 10 bewirbt..."
Natürlich bietet auch Samplitude Funktionen, um MIDI zu nutzen, aber eben nicht mit den vielfältigen Möglichkeiten eines Sequenzers. Um es überspitzt auszudrücken: Cubase/Logic/Sonar: MIDI spitzenmäßig, und Audio können sie auch. Bei Samplitude ist es dagegen genau umgekehrt. Ideal ist es natürlich, wenn man es sich leisten kann, sowohl ein Audioprogramm als auch einen Sequenzer der Spitzenklasse zu besitzen. Aber dies ist nicht nur eine Geldfrage, sondern auch eine der persönlichen Arbeitsweise: Was brauche ich wirklich vordringlich, wie oft brauche ich es, und in welcher Qualität (Verhältnis MIDI - Audio, persönlicher Level etc.).
Samplitutde, vor allem in der Studio- und Producer Version, ist mehr als nur ein Wave-Editor. Hier wird nicht wie z.B. in Wavelab, nur die Bearbeitung von einzelnen Dateien geboten, sondern es handelt sich vielmehr um eine kombinierte Audio-Editor, Arranger- und Mastering- Software. Hier könnte man einen übertriebenen Vergleich anwenden und frech sagen, Samplitude ist irgendwie der musicmaker für Profis (kommt ja auch aus einem Haus). Wer also im Audiobereich arbeiten will und Profiqualität wünscht, liegt hier genau richtig.

Features

Wave EditorAlle Features von Samplitude aufzuzählen, würde diesen Rahmen sprengen, hier deshalb nur die wichtigsten aufgezählt:
Start Wizard mit Presets für Mastering, Wave Editing * neuer High-End Mixer mit flexibler Anzahl von Kanälen, Submix- und Aux-Bussen * Multitrack Recording und Surround Editing * Schneiden und Editieren schon während der Aufnahme * Aufnahmen von über 2 Gigabyte pro Wave File möglich * direkte Aufnahme in die Formate MP3, MPEG, WAV mit div. Codecs, WMA und Real Audio * Aufnahmen automatisch timergesteuert * Echtzeit-Samplerateanpassung bei Aufnahme und Wiedergabe * Support von bis zu 32 Bit Float Sampleauflösung und Sampleraten bis 192 kHz * direktes Bearbeiten und Exportieren komprimierter Formate wie MP3, WMA, Realaudio und MPEG * O-Ton Mode * Nicht-modaler Objekt-Editor * nicht-destruktive und destruktive Bearbeitung möglich * linker oder rechter Kanal von Stereo WAVs können bei Effektberechnungen separat bearbeitet werden * Bereiche eines WAV werden per Drag&Drop zu neuen WAV Fenstern * Unlimitierter MP3 Encoder * Support für VST Plug-Ins * CD Brennfunktion (DAO) * Brennermodul verteilt größere Datenmengen automatisch auf mehrere CDs * Broadcast WAV Support * Videovertonung mit eingebundenem AVI oder Quicktime Video * Export in alle gängigen Streaming Audio-Format für das Internet * direktes Einlesen von Dateien im 24 oder 32 Bit Integer WAV Format * Radical Technologies SAC-2K Support * Pentium 4 Optimierung

Effekte

Parametrischer 4-Band Equalizer * FFT-Filter/Analyzer * 1024 Frequenzbänder, Anhebung jedes Band bis max. +30 dB, Absenkung bis ca. -80 dB * Dynamics: Einstellung auf Kompressor, Expander, Gate oder Limiter * Advanced Dynamics: Kombination aus klassischem Dynamik-Modul (Komp./Exp./Gate) und appromimierendem Limiter * Multiband Dynamics: Bearbeitung in bis zu vier unabhängigen Frequenzbändern (Komp., Exp., Gate, Limiter) * Raumsimulator * Declipping * Gleichspannung entfernen (Remove DC) * Faltung (Convolution) * Noise Reduction * Dehissing * Distortion * Resampling/Timestretching * Multiband-Stereo Enhancer * Normalisieren

DirectX und VST Plug-Ins können integriert werden, Presets sind vorhanden.

MIDI

Da bei Samplitude MIDI nur "Nebensache" ist, hier nur kurz ein Querschnitt der vorhandenen Möglichkeiten. MIDI-Daten können importiert oder direkt aufgenommen werden. Ein VIF bzw. Wave Project kann mittels MIDI Clock oder SMPTE/MTC- mit MIDI synchronisiert werden, um die Daten gleichzeitig mit einem externen MIDI-Sequenzer abzuspielen. Für die Bearbeitung von MIDI-Daten steht ein eigener Objekt-Editor zur Verfügung, der natürlich nicht die Vielfalt der Audio-Bearbeitungsmöglichkeiten bietet. Es wird aber zumindest soviel geboten, dass für vorhandene Sequenzen nicht unbedingt ein externer Sequenzer bemüht werden muss, und auch grundsätzliche Bearbeitungen (z.B. Schneiden, kopieren etc.) vorgenommen werden können.

Der Mixer

Geboten wird ein Realtime-Mixer mit mehr als genug Komponenten, die Einen beim ersten Anblick fast erschlagen. Aber auch hier sind Bedienungskomfort und logischer Aufbau gegeben. Unbegrenzte AUX In/Out und in der Version producer 2496 unbegrenztes Submixing sind vorhanden. Auf Wunsch kann die Bedienung per Mauswheel vorgenommen werden.

Praxis

Audioprojekte in einem Stück

MixerWie lässt es sich denn nun mit Samplitude arbeiten? Obwohl es kein Einsteigerprodukt ist, wirklich einfach. Trotzdem wird man, um Alles ausnutzen zu können, einen Blick in das dicke und gut gemachte Handbuch nicht immer vermeiden können. Wer schon mal mit Wave-Editoren, Arrangern oder dergleichen gearbeitet hat, und das dürfte bei der Zielgruppe wohl Jeder sein, findet sich schnell zurecht.
Kommen wir zunächst zu dem Wave-Projekt, hier wird wie in jedem anderen Wave-Editor eine einzelne Datei bearbeitet. Es wird alles geboten was von einem Editierungsprogramm erwartet wird, ich verzichte hier auf die Einzelheiten und verweise ggf. auf die Feature/Effekt Aufzählung.
Die wirkliche Stärke von Samplitude liegt im VIP Modus. Hier lässt Samplitude seine Muskeln richtig spielen. Arrangieren, Editieren und Mastering ist hier von einer übersichtlichen Arbeitsfläche möglich. So wird ein Audioprojekt in einem Stück auf die effektivste Weise erstellt. In der studio und producer Version können bis zu 999 Spuren genutzt und gleichzeitig bearbeitet werden. Und nicht nur ganze Spuren, sondern jede einzelne Datei (Objekt) kann hier für sich editiert werden, wozu ein Objekt-Editor zur Verfügung steht. Dieser bietet viele der Editiermöglichkeiten direkt für das Objekt oder selektierte Gruppen an. Ein weiterer Weg geht über das Bearbeitungsmenü für ein ausgewähltes Objekt (einige der Effekte sind nur so anwendbar destruktive Bearbeitung). Es ergeben sich so beim Arrangieren von Audiomaterial eine Menge Möglichkeiten, das vorhandene Material abwechslungsreich zu Tunen, und das bei einer bequemen Arbeitsweise, die ein ständiges Eingreifen ermöglicht, ohne die VIP-Ebene verlassen zu müssen.
Kleines Beispiel? Eine Sequenzer-Loop (in einem Mehrspur Projekt) soll fließend bis zu einem hohen Übersteuern gebracht werden. Also Original hinein, kopieren und die Kopie mit dem Objekt-Editor bearbeiten, ein wenig am EQ gedreht, ein bisschen Reverb, ein wenig die Multiband Dynamics eingesetzt. Dieses veränderte Objekt dann kopieren, und die Kopie übernimmt die Einstellungen des Vorgängers im Objekt-Editor. Auf diese bequeme Weise lässt sich jetzt die Linie einfach steigern. Eine andere Methode ist, die gesamte Linie per Live-Mixing nach Wunsch direkt mit dem Mixer auszusteuern (Output to File), das Ergebnis wird dann als Mixdown gespeichert.
Einblenden, Ausblenden, Lautstärke oder Länge eines Sample / Loop verändern, kann direkt per Maus im Objekt durch "Anfasser" erledigt werden. Die Veränderung der Lautstärke innerhalb eines Samples kann ebenfalls erfolgen (Linie mit frei definierbaren Punkten zeichnen). Bedienung insgesamt - "Quadratisch, Praktisch, Gut".

Systemanforderungen/Stabilität

Magix gibt hier als Minimum einen Pentium mit 200 MHz/64 MB RAM an, ich habe es mir aber nicht angetan, Samplitude auf meinem betagten P II 350/128 MB RAM laufen zu lassen. Optimal wird dann auch ein P III mit 256 MB RAM genannt. Auf meinem Athlon 800, 512 MB RAM, Terratec EWX 24/96 traten keine Probleme auf. Ich habe für den Test ein 16 Spur Projekt angelegt, für das ich einige fertige Loops, wie auch selbst geschaffene WAV-Files (VirSyn, Masterbeat etc.) benutzte. Die Eigenen wurden von mir direkt im VIP zurecht geschnitten, und diese wie auch die Vorgefertigten mit verschiedenen Effekten belegt. Dann wurde das gesamte Arrangement im Mixer ausgesteuert, wobei einige Spuren nochmals mit Effekten belegt wurden. Aussetzer oder störende Rechenpausen konnte ich nicht bemerken. Ein kleines Lob auch noch an die Programmierer dafür, dass sich Samplitude nicht wie Andere im System als Hauptprogramm für diverse Dateien (WAV, MP3) einträgt, sondern alles im vorherigen Zustand belässt. Ein vorher eingestellter Player (z.B. Winamp) bleibt erhalten, und wird nicht von einem Egozentriker heraus katapultiert.

Klangqualität

Dass die Effekte gut bis sehr gut sind, ist in dieser Preisklasse nicht Anders zu erwarten. Und von Angaben zu Feinheiten wie: "Der Hall klang etwas..." halte ich nichts. So etwas hängt viel zu sehr von Kriterien wie Ausgangsmaterial, persönlichen Höransprüchen, Erfahrung in der Bedienung der Module und natürlich auch der vorhandenen Hardware wie Sound- /Audiokarte, Verstärker, Boxen ab.
Trotzdem möchte ich doch wenigstens einen subjektiven Eindruck weitergeben. Bisher habe ich für das Mastering immer T-RackS benutzt, bei der es sich um eine bekannte und gute Mastering-Software handelt. Fairerweise habe ich einen gesamten eigenen Song genommen, und nicht auf die Möglichkeit Samplitudes mit mehreren Spuren zu arbeiten zurückgegriffen. Nachdem ich den unbearbeiteten Song mit Samplitude ausgesteuert habe, verglich ich diesen mit der mit T-RackS ausgesteuerten. Mein subjektiver Eindruck war, dass die Samplitude-Version, doch noch ein klein wenig druckvoller klang und die Höhen klarer waren. Es waren keine Welten, aber wenn ich mit der Mehrspurfunktion von Samplitude das gesamte Arrangement neu gemischt hätte, dann hätte sich da natürlich noch mehr feintunen lassen.

Rich Media, Video, Surround-Sound

Nur in kurzer Form möchte ich auf diese Punkte eingehen.

  • Rich Media: Export aller gängigen Streaming-Audio Formate, intrigierte FTP Download Möglichkeit, Magix playR Table Export, Schnittstelle zur Magix Web Publishing Area
  • Video: Bildmaterial wird in einem separaten Fenster angezeigt, die bearbeitete Tonspur kann passgenau in das Video eingefügt werden. Beste Performance und Bearbeitung zusammen mit MAGIX video deLuxe (liegt der producer 2496 Vers. bei) in einem speziellen Videoformat MXV
  • Surround Sound (nur producer2496): Mischung im 2-Kanal und im DVD Standart 5.1 Surround Sound möglich, spezielle Effekt- und Einstellungs-Module für Surround Sound sind vorhanden. Surround Raumsimulator

Wer und warum

Ich bin nicht Jemand, der immer das Motto ausruft: "Es muss immer und für Jeden nur das Teuerste und Beste sein". Natürlich ist Samplitude nichts für Einsteiger oder Leute, die sich erst in das Gebiet PC und Musik einarbeiten. Aber irgendwann steigen halt die Ansprüche. Und das Endarrangement bzw. das Mastering ist nun mal ein wichtiges Glied in der Kette einer Produktion. Wochenlange Arbeit kann hier zerstört werden. Alles war so schön durchdacht, wundervoll eingespielt, aber nach dem Mix mit einem unzureichenden Programm hört es sich einfach schrottig an. Die Bässe sind kaum zu hören, die Drums scheppern nervend laut, zum Verzweifeln. Und hier kommt es dann darauf an, schnell und einfach ggf. Korrekturen vornehmen zu können. Jeder kennt vielleicht auch dies, eigentlich stimmt nach dem Mastering Alles, nur ein Instrument (warum sind es bei mir immer die HiHats?) nicht, eine Stelle ist zu laut bzw. zu leise. Und da ist es natürlich praktischer, direkt mit dem gleichen Programm eingreifen zu können, und nicht extra wieder einen Arranger oder Editor starten zu müssen. Alles in einem Programm, auf einer Oberfläche in Ordnung bringen zu können, spart nervige Fummelei und dauerndes Experimentieren.

Welche der drei Versionen sollte es denn nun aber sein. Ich rate hier wenn irgendwie möglich, sich die 200 DM mehr ans Bein zu binden und die studio Version zu wählen, da erst diese die Anwendung beliebig vieler Spuren (wer braucht 999 oder mehr Spuren!?) anbietet. Die studio Version wird auch dem ambitioniertesten Homerecordler ausreichen. Die producer 2496 ist demjenigen anzuraten, der ein Studio betreibt, Arbeiten für Film, Radio, TV, oder ähnliches vorhat, bzw. als Musikproduzent tätig ist (und natürlich denen, die immer das Beste wollen). Der Preis sieht natürlich erst mal hoch aus, revidiert sich aber, wenn man ggf. andere Programme annähernd mit guten Plug-Ins auf das gleiche Niveau heben will. Und wie zickig manche zugefügte Plug-Ins sich verhalten können, ist bekannt. Von Hardware (Effektgeräte, Mixer) ganz zu schweigen. Wer auf diese verzichten will oder muss (Platzmangel etc.), kommt an einem virtuellem Studio sowieso nicht vorbei. Und Samplitude ist halt im Audiobereich die Profistufe.

Anmerkung

Natürlich konnte ich in diesem Rahmen wie schon bemerkt nicht alle Möglichkeiten und Feinheiten von Samplitude beschreiben. Wer noch Fragen wie "kann man auch..., wird auch....geboten" etc. hat, kann mir gerne eine Mail senden. Ich werde dann versuchen, auch diese speziellen Fragen zu beantworten. Magix bietet z. Zt. auch eine Vollversion für 30 Tage zum Testen als Download an.

Fazit

In chip-Online konnte man als Fazit über Samplitude "Die Alternative zu Cubase - ...hat Steinberg derzeit noch knapp die Nase vorn..." lesen. Dieser Beurteilung möchte ich mich nicht anschließen. Zu grundverschieden sind die Programme. Wer einen leistungsstarken Sequenzer für MIDI und virtuelle Klangerzeuger braucht, wird nicht an Cubase/Logic etc. vorbei kommen. Dagegen hat bei der perfekten Audiobearbeitung Samplitude eindeutig die Nase vorn. Um es mit Worten aus der Werbebranche auszudrücken: "Perfektes Audioediting und Mastering heißt Samplitude". Klingt zwar dick aufgetragen, trifft aber nach meiner Meinung zu.

Versionsübersicht

Die folgende Tabelle stellt noch einmal die erhältlichen Versionen im Vergleoch dar:

Version: Master Studio Producer2496
Spurenzahl (Stereo oder Mono) 4 999 999
Submix-/AUX-Busse 0 / 2 4 / 4 64 / 64
MIDI-Recording/-Playback/-Editing nein ja ja
Surround Panning/Export nein nein ja
DV / Analog Video Recording/Editing nein nein ja
Preis DM 599,- / € 306,26 DM 799,- / € 408,52 DM 1499,- / € 766,43


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Autor: Adrian Winkel, 03.10.2001 Ein Service von MEMI.