Review
 
 
Cover
Medium:CD
Jahr:1999
Tracks:9
Spielzeit:72:01
Bezug:Spheric Music
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Timeless Vision (live in Kreuztal) (1999)
6 Bewertungen:
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Jiannis & Lambert: Timeless Vision (live in Kreuztal)

von Rainer Buchty

Bereits 1988 erschien "Timeless Vision" auf Kassette und war eine Zusammenstellung der besten Titel eines Live-Konzertes, welches im August 1988 in Kreuztal  (Siegerland) stattfand. Wohl nicht zuletzt die positive Resonanz veranlaßte Jiannis & Lambert dazu, diese Zusammenstellung nochmals zu überarbeiten und um weitere zwei Titel zu ergänzen und das Resultat dieser Mühen auf CD zu veröffentlichen.

Das Booklet weist übrigens darauf hin, daß es sich bei den aufgenommenen Titeln um einen Live-Mitschnitt "direkt vom Mixer" handelt und - bedingt durch die damalige, nicht dem heutigen professionellen Standard entsprechende technische Ausstattung - an der ein oder anderen Stelle der CD Knackser o.ä. zu hören sind. Aufgrund dieser eher verharmlosenden Aussage sah ich mich zunächst zu etwas technischer Kritik genötigt, jedoch informierte mich Christian Schimmöller, der die Originalaufnahmen sorgfältig überarbeitete, darüber, daß mit dieser Restauration ein echtes Kunstwerk vollbracht wurde und die noch vorhandenen Störgeräusche sich nicht hätten entfernen lassen, ohne dem Musikmaterial gravierend zu schaden.

Jiannis & Lambert sind bekennende Freunde der sog. Berliner Schule, dies wird bereits beim ersten Titel, dem fast 11minütigen "White Light" deutlich, und so verwundert es nicht, daß der Stil gewisse Parallelen zu Software bzw. Tangerine Dream aufweist - diese Parallelen erstrecken sich mitunter auch auf die Instrumentierung: Viele der Tracks könnten auch ohne weiteres einem TD-Album der frühen 80er-Jahren entstammen. Wer Jiannis & Lambert nun jedoch vorschnell als Plagiatoren abstempelt, tut ihnen sicherlich unrecht, denn auf den folgenden Tracks beweisen sie eine Kreativität, wie sie der Fröse'schen Formation spätestens seit dem Weggang von Chris(topher) Franke fehlt. 

Auf den Opener "White Light" folgt mit "Secrets of the night" eine Überleitung nach "Dark Rooms", dem mit über 12 Minuten längsten Track dieser CD. Leider verharrt man bei diesem - für meinen Geschmack - etwas zu lang auf dem Hauptthema, weniger wäre hier evtl. mehr gewesen. Doch bereits das folgende zehnminütige "SUN" vermag dies wieder wettzumachen und auch das anschließende, ebenfalls zehnminütige "Coloured Lights" weiß zu gefallen. Mit "Lightdancer" erfolgt dann eine Überleitung in den über 11 Minuten langen "Transparent Nightmare", der eher experimentellen Charakter trägt und zeigt, daß auch die frühe EM durchaus zu Jiannis & Lamberts Repertoire zählt. Das folgende "Piano" (nomen est omen!) leitet schließlich wieder in melodiöse Gefilde über und beweist überdies tastentechnische Virtuosität. Abgerundet wird die CD schließlich vom sechseinhalbminütigen "Walking in the Sun" - der abrupte Schluß mag indes nicht jedem gefallen.

Fazit:  Ich kann mich dem Urteil von Klangwelt Musik ("...wirklich hervorragend...einfach erfrischend, wie sich hier die Sequenzen tummeln...") nur anschließen. Wer - wie ich - stets auf der Suche nach typischem Franke/Froese/Schmoelling-Sound ist, wird hier bestens bedient. Umso erfreulicher, daß es sich Jiannis & Lambert nicht darauf beschränken, ihre erklärten Vorbilder nachzuempfinden, sondern auch einen eigenen Stil mit einbringen.