| Interview mit N:FORCE |
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Auf dem diesjährigen KLEM-Tag gibt Norman Friedenberger alias N:FORCE das Eröffnungskonzert. Außerdem ist nach Talisman, Mind Odyssey und Realtime Illusion gerade seine neue CD Collector erschienen. Grund genug, ihm am 1.10. eine Mail mit ein paar Fragen zu schicken...
Obligatorische Eröffnungsfrage: Erzähl doch bitte kurz was zu Deiner Person. Wer bist Du? Wo kommst Du her? Was machst Du, wenn Du gerade keine Musik machst?
Ich wurde in der Lutherstadt-Eisleben geboren, bin dort aufgewachsen und
lebe auch heute noch dort. Der Ort hat ca. 30.000 Seelen und liegt etwas
westlich von Halle. Ich bin 29 Jahre und beruflich als Informatiker
tätig. Damit verdiene ich meine Brötchen. Die Musik nimmt inzwischen
fast den übrigen Teil meines Lebens ein, der ansonsten nur noch von
meiner Familie in Anspruch genommen wird. Ich bin verheiratet und hab
eine kleine Tochter die gerade 2 Jahre geworden ist. Wie bist Du zur Elektronischen Musik gekommen? Was sind Deine Vorbilder? Mit Musik habe ich eigentlich seit ich 7 war zu tun. Meine Eltern hielten mich wohl irgendwie für musikalisch und schleppten mich in eine Musikschule zu einem Eignungstest. Den bestand ich dann und fortan hatte ich Unterricht in Klavier und Musiktheorie. Ich schien mich ziemlich gut zu entwickeln, sagte zumindest immer meine Klavierlehrerin, hatte bald einen Fördervertrag an einem Konservatorium, einige öffentliche Auftritte und nahm regelmässig an Ausscheiden teil. Ich schaffte es sogar mal bis zu einem DDR-Ausscheid 1980 in Zwickau. Danach bestand ich die Aufnahmeprüfung für ein Musikstudium an der Musikhochschule "Carl Maria v. Weber" in Dresden. Dort hätte ich mit 14 Jahren angefangen und sicher eine total klassische Richtung eingeschlagen. Dann kam aber plötzlich ein Moment an dem ich überhaupt keine Lust mehr verspürte Musik zu machen, 3 Stunden am Tag zu üben und all diese "langweiligen" Dinge zu tun. Ich verschlechterte mich zusehens und schmiss dann irgendwann 1982 alles hin. Eine sehr dumme Entscheidung, aber auch die macht man manchmal im Leben. Fakt ist, dass ich wahrscheinlich zu jung war und meine Chance nicht erkannte, was ich natürlich heute schon irgendwo bereue.
In dieser Zeit bekam ich dann erstmals was von EM mit. Im ehemaligen
Osten war ja sonst nicht viel davon zu hören, d.h. sie wurde nicht oft
im Radio gespielt und Konzerte gab es noch weniger. Eigentlich war es
purer Zufall. Ich erinnere mich an eine Sendung die da hiess "Kleine
elektronische Nachtmusik". Die kam aller halben Jahre Freitag abend
22:00 Uhr und ging bis 4:00 Uhr am Sonnabend morgen - also recht lang
und recht heftig. Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, hätte ich
die nie gehört, weil wir im Gegensatz zu heute sonnabends noch Schule
hatten und ich doch lieber schlafen sollte. Natürlich habe ich die mir
trotzdem reingezogen und das erste mal gehört was so abging. Da wurden
Sachen gespielt wie Yello´s "Live at the Roxy", oder Schulzes "Silent
Running". Irgendwann kam dann mal "Kiew Mission" von TD. Ich merkte
sofort, dass das für mich was besonderes war. Da lag plötzlich eine Welt
vor mir in die ich voll eingetaucht bin und die ich bis zu diesem Tag
nicht kannte. Ich fand die Musik ziemlich mystisch und fremdartig. Es
war sehr reizvoll. Zufällig machten TD zu dieser Zeit noch eine Tour
durch den Osten, was sehr ungewöhnlich war. Sie spielten dann auch noch
ganz in der Nähe, in Halle. Meine heutige Arbeit liegt übrigens nur
einen Steinwurf entfernt von der Location wo sie damals aufgetreten
sind. Eine schöne Erinnerung.
Sehr spät erst, gegen Ende 1993 kam dann plötzlich in mir der Wunsch
auf, einen Synthesizer zu kaufen. Nach den ersten Experimenten begann
ich damit eigene Stücke zu entwickeln. Meine technische Situation war
natürlich alles andere als befriedigend, aber als Neueinsteiger geht es
fast jedem so. Außerdem studierte ich gerade und somit war finanziell
sowieso kein großer Ritt möglich. Das erste Stück was ich dann damals
mit nur einem Synth schrieb war "Atmosfear", der letzte Track auf der
"Mind Odyssey". Dann kam irgendwann der erste Plattenvertrag, ich kaufte
mir neues Equipment, dann kam die nächste Platte ... so lief das
eigentlich bis zum heutigen Tag. Wenn ich die direkte Frage nach Vorbildern gestellt bekomme, muß ich leider antworten in dem Sinne keine zu haben. Ein Vorbild ist für mich jemand, dem ich auf Grund irgendeiner positiven Eigenschaft versuche nachzueifern. In diesem Fall auf Grund seiner Musik. Das ist es aber was ich nun wiederum nicht tun möchte. Ich möchte eigentlich versuchen eigenständig zu klingen, einfach immer mein eigenes Ding machen. Es gibt zwar sehr viele Einflüsse, die alle in meiner Musik wiederzufinden sind, aber generelle Vorbilder besitze ich nicht. Deine ersten CDs sind unter Deinem Realnamen Norman Friedenberger erschienen, jetzt veröffentlichst Du unter dem Pseudonym "N:FORCE". Wieso das? Was bedeutet "N:FORCE" eigentlich? Die Idee mit dem Pseudonym hatte meine Plattenfirma "Nightingale Records". Sie fanden meinen bürgerlichen Namen schlicht zu langweilig und wollten, dass ich mir ein etwas "verkausförderndes" Pseudonym zulege. Ich mochte das gar nicht, musste mich dann aber schon dem Druck beugen. Zumindest hatte ich aber die Chance mir den Namen selbst auszusuchen. N:FORCE ist von der Schreibweise her abgeleitet vom englischen Wörtchen "enforce". Mir gefiel daran die Parallele zu den Anfangsbuchstaben meines Namens N und F. Somit war, durch einen Doppelpunkt getrennt, N:FORCE geboren. Du gibst beim diesjährigen KLEM-Tag am 11. Oktober in Nimwegen das Eroöffnungskonzert - davon koennen viele Newcomer ja nur traeumen. Wie kam es dazu? Ganz einfach. Nachdem ich im letzten Jahr eine Absage erhalten hatte, bewarb ich mich in diesem Jahr nochmal. Ehrlich gesagt, machte ich mir aber keine grossen Hoffnungen. Eines abends im Mai rief mich dann Frits Couwenberg an und sagte mir, dass man mich ausgewählt hätte auf dem KLEM-dag zu spielen und fragte ob ich nicht Lust hätte, das zu tun. Die Antwort dazu verstand sich von selbst. Was erwartet uns bei dem Konzert? Da ich nicht viel Zeit zum Spielen habe, beschränkt sich das Konzert weitgehend auf Stücke der "Realtime Illusion", die neuen Tracks der "Collector" und auf die "Talisman". Falls noch Zeit bleibt und die Organisatoren nicht vorzeitig das Licht anmachen, hab ich noch ein Stück von der "Mind Odyssey" im Programm, aber in einer total anderen Interpretation. Klingt sehr interessant. Ansonsten wird es eine Lasershow geben, die meine Musik visuell unterstützen soll. Zur allgemeinen Information: Ein DAT nehme ich nicht mit auf die Bühne! Ist das Dein erstes Konzert? Ja, das ist sozusagen meine Feuertaufe. Wo wird man Dich beim KLEM-Tag treffen koennen? Nachdem das Konzert gelaufen ist und ich alles abgebaut habe, werde ich natürlich mal bei Nightingale Records und Spheric Music vorbeischauen. Dort wird übrigens die "Collector" erstmals verkauft werden. An diesem Tag wird es dafür einen "special price" geben, der ungefähr bei 25 DM (evt. weniger) liegen wird. Aber generell werde ich schon noch eine grosse Runde auf dem KLEMdag drehen um ein paar Bekannte zu treffen. Schön mal alle versammelt zu haben. Soeben ist auch Deine neue CD "Collector" erschienen. Erzählst Du uns etwas dazu?
"Collector" ist eigentlich ursprünglich als "special edition" direkt für
den KLEM-dag gedacht gewesen. Leider hat die Plattenfirma den Rechenstab
angesetzt und sich entschlossen eine finanziell sinnvollere, grosse
Auflage (wie üblich) zu machen. "Collector" sieht somit aus wie ein
"best of" album. Das sollte es aber erstens nicht sein und zweitens
glaube ich nicht, als Newcomer ein "best of" Album produzieren zu
müssen. Das können sich ganz andere erlauben. Es sind ja auch Remixe von Christopher Franke-Titeln enthalten: Warum das? Was verbindet Dich mit Franke? Um es vorweg zu nehmen, auf jeden Fall wollte ich damit nicht auch noch auf diesen Remix-Zug aufspringen, der zur Zeit immer noch Volldampf fährt. Es hat mich eben einfach gereizt an Franke´s Werken "herumzuschrauben" und sie mal selbst zu interpretieren. Ausserdem ist mir bis dto. kein Remix von Franke Werken bekannt, ausser seinen eigenen natürlich, auf der "Enchanting Nature". "Pacific Coast Highway", von der beide Remixe sind, zählt sowieso mit zu den für mich schönsten Platten die die EM zu bieten hat. Sie ist in sich wirklich rund und ausgereift. Die Stücke selbst lassen auf Grund ihres Arrangements keine einfache "Nachbearbeitung" zu. Ich meine, es gibt keinen Beat oder wahnsinnig auffällige Hooklines mit denen man arbeiten kann, wie das bei Dancefloor-Tracks z.B. der Fall ist und die zu tausenden ge-remixed werden. Gerade das war es aber was mich gereizt hat. Weil das eben speziell mit diesen Stücken so schwierig ist. Ich hab mich dann eines abends mal ans Telefon gesetzt und einfach in Los Angeles angerufen. Nach ein paar Minuten hatte ich den Christopher auch tatsächlich an der Strippe und wir haben kurz über meine Idee gesprochen. Er war davon sehr angetan und bat mich ihm, wenn alles fertig ist, die DAT´s zu schicken. Danach haben wir noch etliche Male zusammen telefoniert, aber er hatte leider nie die Zeit sich die Bänder anzuhören. Er ist ziemlich busy und arbeitet manchmal an 3 oder 4 Filmen gleichzeitig. Eigentlich unvorstellbar. Mittlerweile habe ich die "Mechanical License" (Bearbeitungsgenehmigung) erhalten und ihm einige Exemplare der "Collector" geschickt. Ich hoffe, er hat dieses Jahr noch die Zeit sich die Tracks mal reinzuziehen. Wir bleiben in Kontakt.
Ansonsten schätze ich den Christopher als Musiker sehr. Partituren für
ein klassisches Orchester zu entwickeln und gleichzeitig elektronische
Musik zu machen, ist für mich eine einzigartige Kombination, obwohl er
natürlich nicht der erste ist der das tut. Es ist vielmehr die Musik an
sich, sein unverwechselbarer Stil zu komponieren. Er ist wirklich
einzigartig. Elektronik ist die eine Seite, Musik hat aber generell viel
mehr Facetten. In der Klassik, die ich auch gern höre, spürt man das am
deutlichsten. Deine Email-Adresse lautet ja sonicchild@hotmail.com - auch eine Verbindung zu Franke? Dessen Label heisst ja Sonic Images. Nein, purer Zufall. Eigentlich wollte ich eine Adresse a la "nforce@hotmail.com" haben. Die war aber leider schon vergeben. Natürlich drängt sich jetzt der Vergleich zu Sonic Images auf und viele werden das sicher auch annehmen. SonicChild hat aber definitiv nix mit SonicImages zu tun. Es kommt nur dem, wie ich mich selber sehe, am nächsten: Wenn ich mit Klängen experimentiere fühle ich mich schon manchmal wie ein Kind. Ich spiel an Knöpfen und Reglern rum, tüftle an Sounds, mache irgendwelchen spontanen Dinge. Deshalb eigentlich SonicChild. Ausserdem wollte ich evt. gern meine nächste Platte so nennen ... That´s all. Wie bist Du eigentlich zu Nightingale Records gekommen? Das Label kennt man in der EM-Szene kaum? Ja stimmt. Nightingale fährt eigentlich diese Meditations und Entspannungs- Schiene. Mag ich überhaupt nicht. Fakt ist aber, dass ich jeder greifbaren Plattenfirma damals Demo´s geschickt habe und Nightingale letztendlich die einzigen waren, die meine Musik haben wollten. Somit hatte ich also auch keine Wahl und unterschrieb halt. Momentan bin dort aber wirklich recht gut aufgehoben. Ich zahle keine Produktionskosten, bekomme Vorschuss, die CD´s erscheinen in 2000er oder 3000er Auflagen und der Vertrieb ist weltweit. Eigentlich ideale Bedingungen. Wie sehen Deine Plaene fuer die Zukunft aus? Was erwartet uns noch von N:FORCE? Experimentieren, etwas essenzieller arbeiten, heftigere Sounds benutzen - kurzum einfach wieder anders klingen. Eine gute Mischung zwischen Kommerz und eigenem Anspruch finden. Musik machen, die die Leute auch wirklich hören wollen, nicht nur ich, oder meine Bekannten und Freunde. Ich höre zur Zeit viele Platten die in Richtung "Future Sound Of London" oder "Orbital" gehen. Ich mag auch sehr die EyeQ-Sachen wie "Earth Nation" oder so. Ich glaube aber nicht, dass ich genau das machen möchte. Es wird aber auf jeden Fall in diese Richtung gehen. Abgespaceter und noch rhythmischer, leicht harmonisch. Ich mag einfach keine ganz schrägen Sachen. Das liegt aber wahrscheinlich an meiner klassischen Aubildung. Evt. werde ich auch versuchen mit Vocals zu arbeiten. Nicht im Stile von TD´s "Tygers" oder Jam&Spoon - was ganz anderes. Mehr wird aber noch nicht verraten. Was ich definitv nicht machen werde ist, mich umzudrehen, schöne alte Sequencen zu spielen und mich in endlose Klangteppiche einzuhüllen. Das gab´s alles schonmal und andere können das besser als ich. Der Reiz ist doch gerade was neues zu entdecken, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich selbst zu verbessern. Ich hab momentan soviel geile, neue Technik, dass ich wahrscheinlich gleich nach dem KLEM-dag voll loslegen werde. Die Fragen stellte Frank Korf |