Rezension
The Songs of Distant Earth
Obwohl Mike Oldfield ja nicht unbedingt der Elektronik-Szene zugeordnet werden kann, sind diese 17 Tracks eindeutig Elektronische Musik im klassischen Sinne. 70 sauber produzierte Minuten Gesamtspielzeit, in denen es selten langweilig wird und die geprägt sind von sphärischen Klängen, tief verhallten Flächen und natürlich den Oldfield-typischen E-Gitarren-Sounds.
Der Opener "In The Beginning" und der nachfolgende Track "Let There Be Light" deuten die gesamte Stilrichtung dieses Albums bereits an: spacige Sounds und langsam anschwellende Flächen gespickt mit Vocal-Samples im Walki-Talki-Sound ("... and God said: let there be light ..."), das Ganze garniert mit einer ordentlichen Portion Hall, lassen tatsächlich eine Art "Weltraum"-Atmosphäre aufkommen. Track 2 greift diese Atmosphäre auf und baut mit einer Oldfield-Gitarren-Melodie, einer dezenten, langsamen Drumloop und ein paar kleineren Chor-Passagen eines der Hauptthemen des Albums auf, das im Vangelis-Stil in verschiedenen der "Songs Of Distant Earth" wieder aufgegriffen und variiert wird.
Auch Track 4 ("Magellan") erinnert stellenweise doch stark an Vangelis-Titel der Ära "1492". Hier taucht ein zweites melodisches Hauptthema auf, das in diesem Track zunächst von der Oldfield-Gitarre, anschließend von einem Dudelsack-Sound und schließlich von einem Piano intoniert wird. Dieses zweite Thema wird auch in Titel #9 "Lament For Atlantis" wieder aufgegriffen und - ganz im Stil des griechischen Großmeisters - variiert: Vangelis-typische (Piano-)Klänge und ein 8-tel-Bass als rhythmische Grundlage. Klingt irgendwie nach "Hab ich doch schon einmal gehört." - aber trotzdem nett.
Ein anderer Musikerkollege scheint wiederum bei den Tracks 10 und 11 ("The Chamber" / "Hibernaculum") Vorbild gewesen zu sein: ein Hauptthema von (Mönchs-?)Chören vorgetragen, dazu ein schöner, ruhiger Beat und einige E-Gitarren-Licks - Enigma läßt grüßen! Diese Analogie zu diversen Cretu-Titeln wird auch in verschiedenen anderen Titeln des Albums unterstrichen, vor allem durch Kombinationen aus Elektronik, modernen Rhythmen und Ethno-Elementen.
Aber insgesamt überwiegt auch hier dann doch wieder die Freude an wirklich guter Elektronik und nicht etwa ein gelangweiltes "ist doch alles nur geklaut" ...
Mein Gesamteindruck dieses Albums: "The Songs Of Distant Earth" ist wirklich gute Elektronik! Eigentlich klar, wenn man als Rezept für diese Mischung ein wenig Vangelis, ein wenig Cretu und etwas Oldfield ansetzt ...
Die Oldfield-Gitarren-Sounds ziehen sich konsequent durch die gesamte Komposition und sind hierbei mal mehr, mal weniger im Vordergrund präsent. Stellenweise kommt da zwar der Wunsch auf, Herr Oldfield hätte dem Ganzen durch ein paar andere Sounds noch etwas mehr Abwechslung verleihen können, aber wahrscheinlich sollte man dieses Feature wohl eher als ein für ihn charakteristisches Merkmal ansehen.
"The Songs Of Distant Earth" ist extrem gut produziert und erhält nicht zuletzt durch den gezielten Einsatz von Bombast-Sounds mit Explosionen und gewaltigen Drum-Breaks auch die nötige Portion Spannung, die dafür sorgt, daß die spacige Atmosphäre nicht zu einem belanglosen "Dahingedudel" verkommt.
Sicherlich bietet dieses Album nicht viel Neues für die Elektronik-Szene, es ist jedoch eine gelungene Kombination verschiedener Elemente, die hier zu einer hörenswerten Gesamtkomposition zusammengeführt werden.
Anspieltips: Track 2 ("Let There Be Light"), Track 4 ("Magellan"), Track 11 ("Hibernaculum")