Als letztes Jahr die Bombe platzte, dass Apple Emagic aufgekauft hatte und Logic nicht für die Windows-Plattform weiterentwickelt werden würde, war die Aufregung groß. Neben vielen Hasstiraden in diversen Internetforen zwischen denen, die vom PC zum Mac "switchen" wollten, und denen die dagegen waren und planten auf Cubase umzusteigen, gab es auch einige interessante Diskussionen zum Thema: Kann ein viel niedriger getakteter Mac einem hoch-Gigahertzigen Pentium performancemässig das Wasser reichen?

Just zu diesem Zeitpunkt stand bei mir die Entscheidung an, einen neuen Musikcomputer anzuschaffen, um meinen betagten Windows 98-Pentium zu ersetzen. Aus diversen Überlegungen heraus - da ich plante, den Computer auch live einzusetzen und nicht zuletzt weil aktuelle Laptops mittlerweile sehr leistungsfähig sind - fiel meine Wahl auf eine mobile Lösung, und da ich auch mit Logic weiterhin updatefähig bleiben wollte, blieb mir nur der Umstieg. Des weiteren wurde zu dieser Zeit klar, dass es bald keine Rechner mehr geben würde, die noch in OS 9, Apples "altem" Betriebssystem, booten würden. Genau dieses System benötigt man jedoch, wenn man all die Software bzw. Plug-ins, die noch nicht auf OS X (Logic für OS X unterstützt nur noch das betriebssystemeigene Audio Units Plug-in-Format) angepasst sind, weiter verwenden will. Einige sind zwar bereits angekündigt, es wird wohl aber noch einige Zeit dauern, bevor diese auch wirklich erhältlich sind.
Native Instruments z.B. hat schon eine Liste mit Release-Daten veröffentlicht, viele OS X-Versionen ihrer Softwareprodukte sind erst gegen Ende 2003 vorgesehen. Heute booten nur noch einige wenige Modelle überhaupt nativ in OS 9. OS X besitzt zwar eine "Classic"-Umgebung, die OS 9 emuliert und mit der man auch OS 9-kompatible Programme starten kann, Musikprogramme sind dazu jedoch inkompatibel. Wer sich über die OS X-Entwicklung auf dem Laufenden halten will, sollte mal bei www.osxaudio.com reinschauen.

Vor dem Kauf

Was man sich bei solch einem Umstieg zuallererst fragen sollte: sind meine Programme auch mit der anderen Plattform kompatibel, und wie sieht es diesbezüglich mit der vorhandenen Hardware aus? Die meisten Programme gibt es für beide Welten (Ausnahmen sind Logic und Cakewalk, die es nur für Mac bzw. PC gibt). Hardwaretreiber funktionieren oft auf einer Plattform besser als auf der anderen; hier sollte man sich bei einem Musikcomputerhändler (s.u.) beraten lassen.
In meinem Fall war klar, dass alles auch auf Apple-Computern funktionieren würde. Die nächste Überlegung war, wo man am besten eine Maschine für solch einen spezialisierten Einsatz kaufen sollte. Sites wie z.b. www.mac-preise.de geben da einen neutralen und daher sehr hilfreichen Überblick. Viele Versand-Shops haben hier enorm günstige Angebote, jedoch ist bei zu tiefen Preisen Vorsicht geboten, da es sich dann manchmal um "Refurbished", also von Kunden zurückgegebene, generalüberholte Modelle handelt. Diese sind zwar nicht defekt, jedoch ist dann schnell klar, warum sie so billig sind: Eigentlich sind sie ja gebraucht, und werden oft nicht entsprechend deklariert. Man sollte sich beim Online-Kauf also auf alle Fälle an etablierte Händler halten.

Bevor man sich in die Mac-Welt begibt, gilt es auch Newsseiten wie z.B. www.macnews.de sowie Gerüchte-Websites (www.spymac.com) zu studieren, um zu vermeiden, dass man kauft kurz bevor ein leistungsfähigeres Nachfolgemodell erscheint. Auch Foren wie das bei www.macnn.com sind aufschlussreich, vor allem was User-Erfahrungen mit bestimmten Modellen betrifft; spezialisierter geht es beim Logic-Forum unter www.sonikmatter.com oder dem (deutschen) www.logicuser.de zu.

Jedenfalls gilt wie bei jedem Computerkauf: Immer erst dann kaufen, wenn man den Rechner auch wirklich braucht. Auch auf der Apple-Seite veraltet ein Rechner schneller als man schauen kann (wenn auch nicht ganz so fix wie in der Windows-Welt - vielleicht auch dank Apples Produktpolitik ...).

Bei der Frage nach dem richtigen Apple-Mobilrechner ist natürlich auch wichtig, welches Modell zu bevorzugen ist: Das kostengünstigere iBook oder die teureren PowerBooks. Hier kann man fast ohne Einschränkungen sagen, dass man für den Aufpreis, den die letzteren kosten, auch einen entsprechenden Gegenwert bekommt - von dem grösseren Monitor über mehr Schnittstellen (PCMCIA) bis hin zu den leistungsfähigeren G4-Prozessoren. Im iBook sind noch die älteren G3-Prozessoren verbaut - jedoch können diese durchaus die bessere Wahl darstellen, wenn man Programme ohne Altivec-Optimierung benutzen möchte. Altivec ist der G4-spezifische Befehlssatz und wird u.a. von Programmen wie Logic unterstützt, was sich in besserer Performance äußert und so z.B. mehr Plug-ins gleichzeitig geöffnet werden können. Applikationen wie Ableton Live dagegen profitieren nicht unbedingt von dem erweiterten Altivec-Befehlssatz und laufen u.U. nicht performanter als auf Rechnern mit G3-CPUs. Hier sollte man, wenn möglich, einen direkten Vergleichstest durchführen und ggf. zum iBook greifen.

Die Frage, die sich - besonders bei Umsteigern aus der Windows-Welt - stellt, ist folgende: Kann ich den Rechner "out of the box" zum Musikmachen verwenden, oder ist eine spezielle Konfigurierung - womöglich durch einen Spezialisten - notwendig? Es geistern ja bezüglich Windows-Laptops massenweise Horrorgeschichten von Aussetzern bei der Wiedergabe oder beim Aufnehmen von Songs in Cubase bzw. Logic herum. Dem Vernehmen nach ist oft einiges an Einstellungen vorzunehmen, bis ein PC-Laptop für Audioarbeit taugt; manchmal hilft aber alles nichts und man kann es gar nicht dafür verwenden. Laut spezialisierten Audiohändlern wie z.B. A-E-W kann man dies jedoch nicht im Vorhinein sagen, sondern muss dies durch Ausprobieren herausfinden.
Über Apple-Laptops lässt sich dagegen sagen, dass sie (und zwar sowohl die iBooks als auch PowerBooks) im Lieferzustand schon sehr gut zum Musikmachen geeignet sind. Ich hatte z.B. mit Ableton Live keine Probleme, ohne große Konfigurationsarbeit gleich loszulegen. Allerdings hilft es, gerade unter dem Betriebssystem OS 9 (das immer noch von den meisten professionellen Computermusikern/Produzenten ausschließlich verwendet wird) einige Einstellungen vorzunehmen, die die Arbeit problemfreier gestalten, Konflikte und Abstürze vermeiden und den Rechner insgesamt "flotter" machen.

Erste Schritte

Ist das gute Stück dann erstmal zu Hause angekommen und ausgepackt, muss das vorinstallierte Betriebssystem (standardmässig OS X) fertiginstalliert werden. Bevor man das jedoch macht, sollte man sich überlegen, ob man nicht die interne Festplatte formatieren und danach partitionieren sollte, um zwei oder drei getrennte Partitionen (eine bzw. zwei für Betriebssystem(e), eine für Audio/Song-Files) zur Verfügung zu haben. Dies beugt zu schneller Defragmentierung der Festplatte vor und hält die Platten übersichtlich.
In OS X selber gibt es wenig zu optimieren. Bei der Installation des Betriebssystems hat man die Option, endlos viele Sprachpakete und Entwicklertools zu installieren - es empfiehlt sich, diese wegzulassen, da sie Gigabytes an Speicherplatz auf der Festplatte belegen.

Bei den neuen Rechnern muss auf einer Partition erst OS X installiert sein, erst dann kann man auch das System 9 aufspielen. Die Installation ist ein Kinderspiel und dauert jeweils nur ca. 20 Minuten - ein großer Unterschied zu den stundenlangen Windows-Installationen! In OS 9 gibt es konfigurationsmässig mehr zu beachten. Eine Hauptregel lautet: Apple Talk ausschalten (über Apple-Menü - Auswahl und dann deaktivieren). Sequenzerprogramme wie Emagic Logic Audio funktionieren nicht mit aktiviertem Apple Talk (welches der Netzwerkverbindung zwischen Macs dient).
Auch der virtuelle Speicher (Apple-Menü - Kontrollfelder - Speicher) muss deaktiviert sein (was einen Neustart nötig macht). Viele Programme, z.B. Ableton Live, weisen einen beim Öffnen darauf hin, falls dies noch nicht geschehen sein sollte.
Weitere Einstellungen empfehlen sich für die Speicherzuweisung für Programme. Hierbei wird festgelegt, wie viel vom insgesamt verfügbaren RAM ein Programm "belegen" darf. Diese Einstellung erfolgt so: Man sucht sich die originale Programmdatei (nicht den Alias bzw. die Verknüpfung auf dem Desktop!), klickt bei gehaltener "Ctrl"-Taste darauf und wählt "Speicher". Hier finden sich empfohlene, minimale und maximale Speichereinstellungen - viele Hersteller der entsprechenden Programme geben hier Empfehlungen; Sequenzer z.B. laufen gut mit etwa der Hälfte des insgesamt vorhandenen Speichers, bei Plugins und Standalone-Applikationen (wie etwa Native Instruments Kontakt) weichen die Zahlen zum Teil stark ab.

Das Mac OS 9 hat noch ein weiteres "Schmankerl" zu bieten, und zwar die Extensions oder Systemerweiterungen. Installierte Programme und Hardware werden über diese angesprochen (in etwa vergleichbar mit den Treibern auf der Windows-Seite); die Einstellung derselben erfolgt über Apple-Menü - Kontrollfelder - Systemerweiterungen Ein/Aus. Diese Einstellungen sollte man tatsächlich eine Spezialisten überlassen; es ist zu empfehlen, über "Duplizieren" erst eine Kopie der aktuellen Konfiguration zu machen, bevor man sich an den Erweiterungen zu schaffen macht. Fachmännischer Rat ist hier angebracht, um Probleme zu vermeiden.

Die Usability

Obwohl die Performance von Ableton Live doch zu wünschen übrig lässt (das Programm ist noch nicht für den G4-Prozessor optimiert), arbeitet das "TiBook" 867 Mhz mit 768 MB RAM sehr zuverlässig - und mit Logic 6 und dessen neuer "Freeze"-Funktion muss man sich über CPU-Schwächen nicht mehr so viel Gedanken machen wie früher. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Man kann natürlich gut mit Live auf dem TiBook arbeiten, es fällt jedoch im Vergleich zu aktuellen PCs etwas ab.

Mein Setup besteht ausser dem PowerBook noch aus einer FireWire-Festplatte mit 120 GB mit dem Oxford Chipsatz (wichtig für Audio) und einem Motu 828-Audiointerface, ebenfalls FireWire, welches einfach hinter die Festplatte gehängt wird. Dazu kommt noch ein Midisport Midi-Interface sowie ein USB-Hub für die Reaktor 3- und Logic-Dongles und die Maus. Softwaremässig laufen auf dem schicken Silbernen neben Logic noch Ableton Live, der Applied Acoustics Lounge Lizard, Pro-53, ReCycle, Kontakt, Reaktor 4, AmpliTube und diverse andere Plug-ins und Utilities.

Und ob das PowerBook zur vollsten Zufriedenheit funktioniert?

Das kann ich klar bejahen - und obwohl man auch als Nicht-Computerspezialist so eine Maschine zum Laufen bringen kann, läuft mein PowerBook auch deshalb so gut, weil ich mein Setup bei einem spezialisierten Audio-Mac-Händler gekauft habe. Dieser beriet mich ausgiebig vor dem Kauf, stellte mir mein Wunschsetup zusammen und konfigurierte mir die gesamte Maschine so, dass nichts mehr anbrennen kann; einige der obengenannten Tips und Einstellungen musste ich also nie selber vornehmen. Bei meinem Besuch in den Geschäftsräumen in der Nähe von Koblenz gab er mir einige dieser Tricks mit auf den Weg. Übrigens gibt er auch Mac-Musikern, die nicht bei ihm gekauft haben, gerne Hilfestellung - nicht unbedingt selbstverständlich in diesem Bereich.

Der dbSonic-Shop (im Internet zu erreichen über www.mac-pro-audio.de - dort findet man auch ein User-Forum und eine Knowledge-Database) verkauft Macs samt Hard- und Software zu vernünftigen Preisen, hier kommt also alles aus einer Hand, und sämtliche Installationen und Konfigurationsarbeit ist immer inklusive. Einstöpseln, booten, loslegen - und wenn es Fragen gibt (vor oder nach dem Kauf), dann hilft einem Daniel Boist, der Chef von dbSonic, kompetent und freundlich weiter. Wenn doch mal Probleme auftauchen sollten, gibt es eine Telefon- und E-mail-Hotline (info@mac-pro-audio.de); in ganz schwierigen Fällen wird das Problem vor Ort oder - für die, die weiter weg wohnen - per Remote Access behoben. Bei letzterem klinkt sich dBSonic über Internet auf dem Kundenrechner ein und kann so direkt und über grosse Distanzen Fehlerbehebung betreiben.

Ich hoffe, die Informationen in diesem Erfahrungsbericht helfen auch einigen potentiellen Umsteigern - ob von PC auf Mac oder vom Desktop- zum Laptoprechner - bei ihrer Entscheidung.